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Portrait Mara Montoya

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Mara Montoya, in Houston/Texas aufgewachsen, zog mit 8 Jahren nach Mexiko, wo sie die Deutsche Schule besuchte. Mit 9 reiste sie mit einer Gastfamilie durch die Schweiz. Nach dem Abitur in Mexiko ging sie nach Hamburg, um an der Akademie für Kommunikationsdesign zu studieren. Schon ein Jahr darauf kam sie nach Zürich an den Vorkurs der HGKZ, wo sie 2008 ein Diplom in der Vertiefung Neue Medien des Studiengang Medien & Kunst erwarb.

Mit Mara Motoya sprach Christian Ledermann, Leiter der Geschäftsstelle von netzhdk.

Du hast in Hamburg „Kommunikationsdesign“ studiert. Was ist das?

Es ist wie Visuelle Kommunikation, aber mit Finanzen und Marketing. Mir war es aber irgendwie zu eng. Ich wollte frei sein in meiner künstlerischen Arbeit, und so ging ich nach einem Jahr nach Zürich. Ich wurde für den Vorkurs in der Visuellen Gestaltung aufgenommen, wo ich eine ganz tolle Zeit verbracht habe, die mich sehr geprägt hat. Bis heute stammen meine besten Freunde aus dieser Zeit. Danach studierte ich an der HGKZ/ZHdK Neue Medien.

Du studiertest ja auch an anderen Orten, z.B. in Brüssel.

Ja genau, ein Austauschsemester in Brüssel 2007 an der Filmklasse der Kunsthochschule Sint-Lukas. Das war extrem toll. Die Stadt ist sehr lebendig, ein bisschen dreckig, sehr chaotisch, man weiss nie genau, was passieren wird. Das kulturelle Verhältnis zwischen französischsprachigen Wallonen und Flamen ist sehr spannend. Brüssel ist 80% frankophon und 20% flämisch. Ich war in einer flämischen Schule, und wenn du raus gehst, ist alles französisch. Sie ist wie ein kleines Pünktchen in der Stadt, und ganz viele aus dem flämischen Teil sind dort.

Die Sprachgruppen mischen sich in Belgien eigentlich nie. Was ich erlebt habe: Man versucht oder tut so, wie wenn man zusammen sei. Aber wenn man die Leute zusammenbringen will, gehen sie sich aus dem Weg. Wenn man etwa in ein Café kommt, weiss man sofort, ob es wallonisch oder flämisch ist.

Auch die Schule war sehr spannend. Ich war im Filmdepartement, Dokumentarrichtung. Es war eine sehr wichtige Zeit für mich. Die Schule ist sehr alt und hierarchisch. Professoren und Studierende haben ein sehr formelles Verhältnis. Das gute daran ist aber, dass die Professoren die Studierenden sehr ernst nehmen und das Beste aus ihnen herausholen wollen. Sie pushen dich und nehmen dich an der Hand. Du weisst, sie sind für dich da und interessieren sich für dich. Als Studierende hast du die Verantwortung, das Beste zu geben, ihnen gegenüber und dir selber gegenüber. Das war für mich eine super Zeit!

Das Verhältnis Studierende - Dozierende ist an der ZHdK anders?

Ja, hier ist es nicht so hierarchisch. Man duzt sich, das Verhältnis mit den Dozenten ist weniger eng, man ist stärker für sich selber verantwortlich. Was ich erlebt habe, war unverbindlicher. Man wird auch nicht so gepusht. In Brüssel konnte ich jederzeit meinen Dozenten anrufen, auch zuhause und sagen, ich komme da und da nicht vorwärts, könnten wir uns treffen? Und es war immer möglich, auch Abends, auch am Wochenende. Es gab so ein Projekt, wo wir alle nicht gut vorankamen. Und der Professor hat während der Ferien ein E-Mail geschrieben und gesagt, er habe jeden Nachmittag zwei Stunden Zeit für jemanden. Wir waren aber auch nur 5-6 Studierende pro Professor. Ich habe mit meinem einen Professor bis heute regelmäßigen Kontakt.

Danach war ich noch ein Jahr in Zürich und habe abgeschlossen.

Und dann?

Ja, das war ein Problem. Denn als Ausländerin muss man ja nach dem Diplom ausreisen. Da bin ich zurück nach Texas, nach Houston und habe für eine Dokumentarfilm-Produktionsfirma als Regieassistentin gearbeitet.

Warum bist du denn später nach Europa zurückgekommen?

Ich bin wegen meines jetzigen Ehemannes Luc Gut zurückgekommen.

Warum habt ihr euch entscheiden, hier zu leben und nicht in den USA?

Luc hatte noch drei Semester zu studieren an der ZHdK. Da dachten wir, wir bleiben erst mal zwei Jahre hier.


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Was arbeitest du jetzt?

Ich arbeite seit einem Jahr bei der Videokünstlerin Ursula Biemann. Die Arbeit mit ihr prägt mich sehr stark. Sie öffnet mir eine neue Perspektive in meiner künstlerischen Arbeit. Ich lerne sehr viel von ihr, ich kann vieles, das ich mir irgendwie vorgestellt habe, zum ersten Mal sehen, z.B. wie man mit eigenen Projekten überleben kann, denn öfters sind die Budgets sehr niedrig. Man muss einfach sehr dranbleiben, hartnäckig sein. Ich bin sehr dankbar, dass sie mir diese Gelegenheit gegeben hat.

Wie hast du sie kennengelernt?

Ich kannte ihre Arbeiten schon seit ein paar Jahren. Vor allem "Performing the Border" hat mich angesprochen, eine Reflexion über die Grenzen von Mexiko und den USA und über die Rolle der Frau. Ein sehr schön gemachter Essay von 1999. Darauf habe ich ihr geschrieben, eine Art Blindbewerbung. Später hat sie sich bei mir gemeldet.

Wie eng und intensiv war eure Zusammenarbeit?

Ich bin jeweils in ihr Studio gekommen und wir haben geschaut, was es zu tun gibt. Sie hat viele Ausstellungen, und ich habe sie bei der Planung und Koordination von Ausstellungen in Europa und Amerika unterstützt. Viele Arbeiten von ihr werden auch an Festival gezeigt. Das hat mir sehr gut gefallen. Gegen Schluss habe ich bei ihrem neuen Projekt „Supply Lines“ Assistenz gemacht. Jetzt ist unsere Zusammenarbeit lockerer geworden und sie kommt bald zum Schluss, weil ich im September mein Bachelor-Studium in Law & Economics an der Uni St. Gallen anfangen werde. Es ist ein Doppelstudium. Ich sehe mich allerdings nicht in Zukunft in diesem Bereich tätig. Ich will das mehr als Allgemeinwissen für meine Tätigkeiten, um eine andere Art von Denken zu verstehen und in meine Praxis einfliessen zu lassen.

Weshalb hast du dich ausgerechnet für die Uni St. Gallen entschieden?

Die Uni St. Gallen bietet dieses Doppelstudium. Und dann ist sie natürlich eine sehr gute Universität. Aber das wichtigste für mich ist, dass sie so klein ist, nicht wie z.B. die Uni Zürich. Ich brauche das kleine, persönliche. Das hat mich überzeugt. Ich freue mich sehr.

Hast du auch Angst? Es wird doch etwas völlig anderes sein als was du bis jetzt kennst, die Leute, die Arbeitsweise.

Nein, wieso Angst? Das ist doch spannend! Eine neue Stadt, klein aber sehr fein, ich glaube es gibt gute Vibes.

Dein Bachelor-Studium in St. Gallen ist ein Vollzeitstudium. Wie hast du vor, dich einzurichten?

Ich sehe das wie mein persönliches Projekt, etwas, das ich machen will und das mich weiterbringt. Ich wollte mich schon seit einer Weile weiterbilden. Ich werde studieren und Teilzeit arbeiten.

Erzähl uns etwas von deinem aktuellen Projekt.

Ich habe jetzt ein neues Projekt im Kopf. Vor kurzem bin ich auf einen spannenden Text zu den Nazca-Linien in Peru gestossen. Die ältesten dieser Linien sind über 2500 Jahre alt. Das hat mich sehr angesprochen als Idee für ein neues Projekt. Schon für die Altperuanische Kultur damals war Wasser die wichtigste Lebensessenz. Sie wussten, dass Wasser immer knapp war. Ich versuche, dies mit unserer heutigen Zeit und Gesellschaft in Verbindung zu setzen. Ich möchte gern eine Art Videoessay darüber machen, diese Linien aus einer ästhetischen Perspektive untersuchen, ihre Funktion damals und was wir von diesem früheren Denken lernen könnten. Ich stelle mir einen kurzen, 15-minütigen Videoessay vor, der in einer Ausstellung gezeigt werden könnte.

Wie lange dauert die Gedankenphase bei dir?

Ich bin da sehr langsam. Ich recherchiere sehr gerne, lese viel, sehe viel, gehe in Archive, setzte mich wirklich mit dem Thema auseinander, um langsam die Story aufzubauen. Die Recherchephase dauert so etwa ein Jahr, das Projekt insgesamt vielleicht zwei Jahre.

Mit der Uni St. Gallen kann es sich aber jetzt auch verzögern. Ich mache Recherche, wenn ich einen halben Tag oder ein Wochenende frei habe. Aber je weniger Zeit ich für ein Projekt habe, desto fokussierter bin ich. Ich sehe das positiv. Ich bin eher eine disziplinierte Person, zwinge mich, zu arbeiten. Doch es kommt vor, dass obwohl ich mich zwinge, nicht viel passiert und ich unproduktiv bin. Aber manchmal habe ich plötzlich eine zündende Idee oder ein grosses Bedürfnis, etwas Bestimmtes zu arbeiten. Und alles, was ich sonst vielleicht in 8 Stunden mache, kommt in zwei Stunden. Es gibt so Momente, wo es fliesst.

Was sollen deine Werke auslösen?

Ich wünsche mir, dass meine Werke einen Denkraum schaffen. Soziopolitische Themen interessieren mich. Meine Arbeiten sollen zum Diskutieren und Nachdenken anregen. Es soll beim Betrachter etwas zurückbleiben. Ich möchte, dass meine Stimme gehört wird. Doch ich bin nur das Medium für etwas Grösseres.

Was ist deine Muttersprache?

Ich bin bilingue aufgewachsen. Zuhause sprachen wir Spanisch, im Kindergarten Englisch, mein Onkel und meine Tante sprachen immer nur auf Englisch mit mir. Bis ich 18 war, habe ich immer auf Englisch gedacht. Es war auch die erste Sprache, die ich zu schreiben gelernt habe. Später in Mexiko habe ich dann viel Literatur auf Spanisch gelesen. Aber immer, wenn ich schreibe, fällt es mir viel leichter auf Englisch. Deutsch habe ich erst mit 12 angefangen zu lernen. Ich kann es einigermaßen gut sprechen, mache zwar noch viele Fehler, verstehe es aber gut.

Schweizerdeutsch zu lernen habe ich mir vorgenommen, als ich hierher kam. In der Deutsche Schule in Mexiko hatte man die Möglichkeit für einen Austausch nach Deutschland. Viele meiner Freunde machten das - und waren dann in Deutschland auch nur mit Mexikanern unterwegs. Das fand ich sinnlos. Denn wenn man weggeht, muss man sich anstrengen, es gut zu machen. Das war mein erster Vorsatz: Wenn ich in die Schweiz gehe, will ich Schweizer Freunde haben. Ich wollte die Sprache und Kultur lernen.


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