Prix_netzhdk_titel

netzhdk vergibt jedes Jahr an einen Bachelor- oder Master-Alumni der ZHdK einen mit 10'000.– Franken dotierten Förderpreis.

Ausgezeichnet wird eine Person oder eine Gruppierung, deren Schaffen durch besondere Eigenständigkeit, Innovationskraft und fachliche Qualität auffällt. Die Nominationen erfolgen jeweils durch die Studiengangs- und Vertiefungsleitungen der ZHdK.

Wir haben allen Nominierten sieben Fragen zu ihrem Schaffen, ihrer Studienzeit und ihren Zukunftsplänen gestellt. Die Antworten können hier gelesen werden.

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Mona Neubauer und David Simon
BA Interaction Design
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An welchem Projekt arbeitest du aktuell?

M: Eines meiner wichtigsten und immer aktuellen Projekte ist der jährlich stattfindende Designathon (www.designathon.ch) – ein Event, den Dave und ich gemeinsam 2015 initiiert haben und hinter dem ein ganzes Team von etwa 15 kreativen Köpfen steht. Im November geht im Kraftwerk der Nächste über die Bühne! Wichtig für mich ist auch das Projekt «intrinsic» (www.intrinsic.ch) – ein Netzwerk für motiviertes und selbstorganisiertes Lernen, bei welchem ich seit letztem Sommer im Aufbau mitgearbeitet habe. Daneben arbeite ich an diversen Auftragsarbeiten im Rahmen unseres Design-Studios «Lucid» (www.wearelucid.ch), das Dave und ich 2015 zusammen mit Jonas Scheiwiller und Marco Ehrenmann gegründet haben. Unterdessen sind wir da zu sechst.

D: Aktuell investiere ich stark in das «Dezentrum» (www.dezentrum.ch), ein Think Tank für Dezentralisierung. Wir setzen uns mit Technologie und Gesellschaft auseinander. Wir erforschen im Zuge der Digitalisierung das Phänomen der Dezentralisierung – ermöglicht durch dezentrale Technologien wie die Blockchain-Technologie.

M: In allen Projekten gibt es immer wieder Überschneidungen unserer Rollen und Funktionen. Wir arbeiten oft in Teams. Wie bereits erwähnt auch in vorher genannten Projekten. Durch das Zusammenarbeiten in einem Netzwerk – meist hierarchielos – sind eigentlich auch die meisten Projekte von uns «dezentralisiert».

Was heisst für dich „Qualität“ in deiner Disziplin?

M: «Design» ist für mich mehr als Oberflächengestaltung. Ich verstehe unsere Disziplin als gesellschaftliche Gestaltung. Somit heisst für mich Qualität eine nachhaltige Gestaltung, in welcher der Mensch im Zentrum steht. Wir versuchen dabei stets bewusst und vor dem Hintergrund zu gestalten, dass jedes Produkt, welches wir schaffen und jede Technologie, die wir nutzen, unser Verhalten und unsere Wahrnehmung beeinflusst.

D: Diese Aufgabe erfordert eine kontinuierliche Reflexion des sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und technologischen Wandels. Es ist uns ein Anliegen, durch unsere Arbeit einen konstruktiven Beitrag zu der sich schnell entwickelnden, modernen Gesellschaft beizutragen.

Was schreibst du, wenn du beim Arzt oder im Flugzeug ein Formular ausfüllen musst, unter „Beruf“?

M: «Interaction Designerin». Und bestimmt kommt dann die Frage: «Was ist das für ein Beruf?»

D: «Designer, Engineer, Artist»

Von welcher in deinem Studium gelernten Lektion zehrst du bis heute?

M: Ich denke nicht, dass es eine bestimmte gelernte Lektion ist oder war. Vielmehr eine Denkart, ein kritisches Hinterfragen und dessen Übertragen auf meine Gestaltung oder Formulierungen.

D: Es sind diverse Momente, die mir blieben. Die wichtigste Lektion bis heute ist es «Nein» zu sagen.

In welchem Bereich hast du seit deinem Studienabschluss am meisten dazugelernt?

M: Was wir im Studium nicht gelernt haben, in der beruflichen Welt jedoch unglaublich wichtig ist, ist das Einbetten der beruflichen Tätigkeit oder der eigenen Ideen in einem ökonomischen Umfeld. Was ich persönlich auch immer wieder als anstrengend empfinde: Geld zu machen und sich für ideologische Projekte zu engagieren ist leider nicht immer einfach unter einen Hut zu bringen.

D: Im Denken. Wer klar artikulierte Gedanken fassen und prägnant kommunizieren kann, ist in einer unfokussierten, abgelenkten Gesellschaft im Vorteil.

Welche Persönlichkeit einer anderen Disziplin fasziniert dich?

M: Ich möchte gerne ein paar Projekte – respektiv Organisationen – nennen, hinter denen natürlich Persönlichkeiten stehen. Mich fasziniert beispielsweise das Kollektiv «Raumlabor» in Berlin, das Projekte im öffentlichen Raum partizipativ mit einer Öffentlichkeit gestaltet. Oder das Magazin «Derivé» aus Wien, welches mit seinem Urbanize! Festival in eine ähnliche Richtung geht. Sie greifen in ihren Publikationen jeweils sozial relevante Stadt-Themen auf, stellen Projekte vor, berichten darüber und am Festival werden entsprechende Themen in der Stadt Wien einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Oder auch noch nennen möchte ich das Assembly Studio, ein multidisziplinäres Kollektiv, das Architektur mit Design und Kunst verbindet und in ihren Arbeiten partizipative Methoden anwendet, um sozial relevante Projekte zu realisieren.
Als Persönlichkeit inspiriert mich der Künstler Steve Lambert, der gesellschaftliche Fragen auf sehr witzige Art in den Raum stellt und diskutierbar macht.

D: Ich bin selbst künstlerisch tätig. Entsprechend finde ich viele Vorbilder in der Kunst. Zum Beispiel finde ich den Umgang mit Raum von Gordon Matta-Clark bis heute sehr faszinierend.
Auch die Tätigkeit von James Bridle oder Trevor Paglen finde ich inspirierend. Beide setzen sich mit Technologie und den ihnen inne herrschenden Machtverhältnisse auseinander.

In welche Richtung möchtest du dich in Zukunft vermehrt entwickeln?

M: Ich möchte gerne Projekte initiieren und aufbauen, die in einer Öffentlichkeit stattfinden und dieser zugänglich sind. Projekte, die einen positiven gesellschaftlichen Wert mit sich bringen. Da habe ich bereits auch ein paar Ideen, welche ich gerne realisieren möchte.

D: Die Gretchenfrage! Ich freue mich vor allem verstärkt an ideologisch-motivierten und inhaltsgetriebenen Projekten arbeiten zu können. Ich glaube für uns ist das eine Notwendigkeit für eine erfüllende Tätigkeit.